Dialekt für Fortgeschrittene

Um einen Dialekt zu beherrschen braucht es mehr als ein paar Wörter zu kennen. Die wirkliche Meisterklasse ist es, Gesprächen unter Einheimischen folgen zu können – nicht immer ganz einfach für Besucher und Zuwanderer. Und dann wäre da noch die richtige Aussprache…

Je länger ich in der Region Schladming-Dachstein bin, desto besser verstehe ich auch den Dialekt. Mein eigens angelegtes Vokabelheft füllt sich mit Dialektausdrücken, ich lerne ständig dazu und verstehe schon so einiges. Was mir aber immer noch Schwierigkeiten bereitet ist es, Gesprächen zwischen Kollegen zu folgen, die einen so ganz anderen Dialekt haben als ich. Denn dann bemühen sie sich natürlich auch nicht, unverständliche Ausdrücke wegzulassen. Ich horche dann gespannt zu und versuche die Wörter aus dem Zusammenhang zu verstehen – nicht  immer mit Erfolg.

„Voingst zvui“ Pech

Bei folgendem Gespräch habe ich so viel mitbekommen: Meine Kollegin meinte, sie sei gerade vom Pech verfolgt, warum war ich mir nicht ganz sicher.

Am Vorabend war sie schon im „Woschseichta“ ausgerutscht, weshalb Sie nun einen „Dippi“ hatte. Der nächste Morgen war „gneitig“. Das Frühstück hatte sie ausfallen lassen müssen, weil das Brot, das sie vorhatte zu essen, „kleckdimi hescht“ war. Und zu allem Überdruss funktionierte auch das Handy nicht. Sie hätte es „doihi fuizn“ können, so sehr war sie genervt. Die „Toppa“ auf ihrem Auto verbesserten ihre Laune nicht gerade, war dieses doch gerade erst am Vortag gewaschen worden. Schuld daran konnte nur das „koame Groamatkatzl“ des Nachbarn sein. Das alles war ihr „voingst zvui“.

Ihre Stimmung konnte letztendlich ich aufhellen. Aber nicht weil ich so gute Witze erzählen kann, sondern weil es bei meinen Kollegen immer wieder zur Belustigung beiträgt, wenn ich mit fragendem Blick daneben stehe und zugeben muss, dass ich wiedermal nichts verstanden habe. Da ich aber ausschließlich freundliche Kollegen habe, werde ich meistens aufgeklärt und kann die Geschichte nun übersetzen:

Am Vorabend war meine Kollegin in der Badewanne ausgerutscht und hatte sich dabei so gestoßen, dass sie nun eine Beule hatte. Der nächste Morgen war stressig und das Brot war nicht essbar, weil es schon steinhart gewesen war. Das Handy hätte sie am liebsten in eine Ecke geschmissen weil es nicht funktionierte. Auf ihrem Auto waren Pfotenabdrücke, die höchstwahrscheinlich von der Nachbarskatze stammten. Es handelt sich dabei aber um eine bestimmte Art Katze. Ein „koams Groamatkatzl“ ist nämlich ein zahmes, spät im Sommer geborenes Kätzchen (das zu übersetzen war übrigens auch für meine Kollegen nicht ganz einfach). All diese Vorkommnisse waren ihr einfach zu viel.

Die richtige Aussprache eines Dialekts will gelernt sein.

Ein „husiger“ Besuch

Ein Gespräch über einen gemeinsamen Besuch von zwei Kollegen bei Freunden hinterließ bei mir ebenso viele Fragen.

Der Besuch war anfangs wirklich „husig“. Es wurde ganz normal Kaffee getrunken, „Schwoschzbee“-Kuchen gegessen und „hoagaschtlt“. Mit der Zeit aber wurde der Gastgeber nervig, weil er immer so „viewitzige“ Fragen stellte. Außerdem erzählte er so viele verschiedene Geschichten ohne Zusammenhang sodass jeder schon ganz „irsch“ wurde. Am Ende hätten alle beinahe zu „keippin“ begonnen.

Wieder musste ich erst einmal mehrere Fragen stellen um alles zu verstehen, fand letztendlich aber heraus worum es ging.
Es war zu Beginn ein wirklich netter Besuch, bei dem Kaffee getrunken und Heidelbeerkuchen gegessen wurde und sich alle gut unterhielten. Die neugierigen Fragen des Gastgebers nervten aber mit der Zeit. Außerdem war jeder schon ganz verwirrt von seinen vielen Geschichten ohne Zusammenhang. Das hätte beinahe dazu geführt, dass alle zu streiten beginnen.

Lektion 2 des Dialektlernens

Damit kann ich also schon wieder einige Zeilen in meinem Dialekt-Vokabelheft füllen. Wörter kennen und verstehen ist aber nur die halbe Miete. Lektion 2 beim Dialektlernen beschäftigt sich mit der richtigen Aussprache. Denn um einen Dialekt wirklich zu beherrschen muss man die Ausdrücke auch richtig aussprechen können – für mich als Oberösterreicherin eine große Herausforderung. Oft kann ich Wörter, die mir die Kollegen vorsagen nicht einmal richtig nachsagen. Daher meine Erkenntnis: Zum Dialektlernen für Fortgeschrittene braucht es Audiomaterial. Darum lerne ich nun mit Sprachaufnahmen von echten Einheimischen. Hier ein paar meiner Lieblingsbeispiele:

 

Heidelbeeren

 

„Heute bin ich einfach nicht bei der Sache!“

 

in eine Ecke schmeißen

 

stressig

 

„Letztes Jahr beim Preiselbeerenpflücken habe ich meinen Beerenrechen verloren.“