Wenn in Irdning Kirtag ist

Der Irdninger Kirtag ist in der ganzen Region Schladming-Dachstein bekannt. Drei Tage herrscht in der kleinen Marktgemeinde am Fuße des Grimmings Ausnahmezustand. Dass es ihn aber schon seit über 400 Jahren gibt, ist  weniger geläufig.

Am Fuße des Grimmings zieht der Irdninger Kirtag rund um den 1. Mai jährlich tausende Besucher an. Foto: Markus Röck

Es ist Samstagvormittag in Irdning. Man könnte meinen, in der kleinen Marktgemeinde in Grimming-Donnersbachtal nimmt alles seinen gewohnten Lauf. Doch der Schein trügt. Im Bekleidungsgeschäft Puchwein, mitten im Ort, werden an diesem 29. April mehr Dirndln angemessen und mehr Lederhosen probiert, als sonst. Und am Sportplatz, etwas außerhalb vom Ortszentrum, ist gerade der Aufbau eines großen Festzeltes abgeschlossen worden. Noch sind hier die Bänke leer, doch schon am Abend wird sich das ändern. Denn wieder einmal steht der Irdninger Kirtag bevor.

Der Irdninger Kirtag, der jedes Jahr rund um den 1. Mai stattfindet, hat schon eine lange Tradition in der Gemeinde. Immer wieder zieht er aufs Neue tausende Gäste in den Ort. Viele assoziieren den Kirtag heute mit dem mehrtägigen Festzelt im Ort. Beim Kirtag müsse man aber zwischen mehreren Bestandteilen unterscheiden. „Es gibt den Kirtag im Ort, den Fetzenmarkt der Freiwilligen Feuerwehr und das vom Sportverein organisierte Festzelt zum Kirtag.“ Das gibt Josef Manschefszki zu Bedenken. Er war langjähriger Präsident vom ATV Irdning, dem hiesigen Sportverein, und ist schon seit knapp fünf Jahrzehnten tief in die Organisation des Bierzeltes involviert.

Josef Manschefszki ist schon seit Jahrzehnten beim Irdninger Kirtag dabei. Foto: Markus Röck

Vom Viehmarkt zu den Lebkuchenherzen

Der alljährlich am 1. Mai stattfindende Krämermarkt ist der eigentliche Kirtag. Er zieht sich durch den ganzen Ort und hat die längste Geschichte aufzuweisen. So gab es in Irdning schon im 16. Jahrhundert einen Jahrmarkt oder eben einen „Kirch-“ oder „Kirtag“. Dieser war – wie es der Name vermuten lässt – meist in der Nähe der Kirche angesiedelt, wanderte aber aus Platzgründen immer wieder einmal in die außerhalb von Irdning gelegene Mooswiese. Ein Jahrmarkt zum 1. Mai ist seit 1731 belegt. Während dieser zunächst vor allem als Viehmarkt angelegt war, hat er im Laufe der letzten Jahrhunderte einige Änderungen durchlebt. So hat um 1900 seine Bedeutung als Viehmarkt abgenommen, dafür ist seine Funktion als Krämermarkt immer wichtiger geworden. „Damals gab es keine Geschäfte rundherum. Die Leute kamen von überall nach Irdning, um ihren alltäglichen Bedarf an Kleidung und Schuhen zu decken“, sagt Manschefszki. Kleidung und Schuhe gibt es auch heute noch am Markt zu kaufen – vor allem in der Form von Trachtenmode und Bergschuhen. Daneben sind aber auch Haushaltswaren, Spielzeug oder kulinarische Spezialitäten von Hauswürsten über Bergkäse bis hin zu Schaumrollen und Lebkuchenherzen begehrt.

Der Irdninger Kirtag – im Jahr 1932. Foto: ATV Irdning

Wenn aus 300 Besuchern 1000 werden

Das Irdninger Bierzelt gehört seit 1969 zum Kirtag. Gleich lange, wie auch Josef Manschefszki. Zunächst als kleine Zeltveranstaltung zusätzlich zum Jahrmarkt angedacht, wurde das Zeltfest gleich im ersten Jahr ein voller Erfolg. „Wir haben mit 300 Besuchern gerechnet. Gekommen sind über 1.000“, so Manschefszki. Ein solider Grundstein für eine jahrzehntelange Bierzeltgeschichte. Anfangs befand sich das Zelt neben dem sogenannten „Puchweingraben“ – mitten im Ort, wo heute der Busbahnhof steht. Mit der jährlich voranschreitenden Zuschüttung des Grabens wurde das Zelt immer größer und auch ein Vergnügungspark fand daneben Platz. Für das ganze Festzeltgelände war die Fläche am Puchweingraben bald zu klein. Zusätzlich kam auch die immer stärker werdende Lärmbelästigung dazu. Mit der Vergrößerung des Irdninger Sportplatzgeländes folgte daher 2002 der Umzug. Heute steht das Zelt immer noch an diesem Platz. Drei Mal hat es zur Kirtagszeit immer geöffnet. Den Anfang macht immer der Samstag vor dem 1. Mai, die zweite Abendveranstaltung folgt jährlich am 30. April, ehe das Zeltfest mit dem Frühschoppen am 1. Mai ins Finale geht. Ein Kindernachmittag zwischen den Veranstaltungstagen bietet für die jungen Gäste ein eigenes Programm.

Auch 2018 war das Bierzelt drei Tage lang gut gefüllt. Foto: Markus Röck

„Fetzen“ seit 1929

Alle zwei Jahre findet im Zuge des Irdninger Kirtags auch ein Fetzenmarkt statt. Hierbei handelt es sich um einen Markt, bei dem „Fetzen“, alter Trödel, von Fahrrädern bis hin zu Kleidung, Spielzeug und Küchenmaschinen verkauft wird. Auch dieser Fetzenmarkt geht ursprünglich auf den Irdninger Sportverein zurück. „Das war noch vor meiner Zeit“, erinnert sich Josef Manschefszki. Im Jahr 1929, um genau zu sein. Damals sah es der Sportverein als gutes Zubrot, zum Jahrmarkt einen Fetzenmarkt zu veranstalten. Nach 1935 sollte jedoch erst einmal eine Pause einkehren, ehe in den 1950er-Jahren die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Irdning den Fetzenmarkt wiederbelebten. Auch heute zeichnen sie sich immer noch dafür verantwortlich. Dafür finden schon immer Wochen vorher Haussammlungen statt, bei denen Irdningerinnen und Irdninger nicht mehr gebrauchte Waren spenden. Die werden am 1. Mai bereits in den frühen Morgenstunden zum Verkauf angeboten. Käufer sind dann oftmals auch wachgebliebene Bierzeltbesucher, die die Produkte häufig zweckentfremden. So gibt es Geschichten von einem Bürosesselrennen über die zu dieser Zeit bereits gesperrte Irdninger Hauptstraße oder von einem Bierzeltgast, der ein gekauftes Schlauchbot für die Heimreise über die Enns genutzt haben soll.

Der Fetzenmarkt: Eine Freude für Frühaufsteher und Wachbleiber. Foto: FF Irdning

Inzwischen ist der Kirtag wieder vorüber. Das Zelt ist abgebaut, der Krämermarkt verschwunden und auch die Lederhosen und Dirndln sind – zumindest bis zum nächsten Fest in der Region Schladming-Dachstein – wieder sicher in den Schränken ihrer Besitzer verstaut. In der Marktgemeinde Irdning nimmt alles seinen gewohnten Lauf. Bis zum nächsten Irdninger Kirtag dauert es jedoch nicht mehr lange. Am 1. Mai 2019 ist es so weit. Dann wird es auch wieder einen Fetzenmarkt geben und das Irdninger Bierzelt feiert seinen 50. Geburtstag. Ob zum Jubiläum im nächsten Jahr etwas Besonderes angedacht ist – das will Josef Manschefszki noch nicht verraten. „Es gibt noch nichts Spruchreifes.“