Traditionell, vegan, köstlich – das Kletzenbrot

Das Kletzenbrot – ein ganz besonderes Gebäck rund um die Weihnachtszeit. Katrins Oma gibt uns einen Einblick und verrät uns außerdem ihr Rezept.

Draußen fallen schon die ersten großen Schneeflocken vom Himmel, der Kachelofen ist eingeheizt, jetzt fehlt nur mehr ein köstliches Gebäck, um mich auf den Zauber des Winters so richtig einzustimmen.

Meine Oma, welche bei mir zu Besuch ist, fängt in diesem Augenblick an vom Kletzenbrot zu erzählen, welches einst sowie auch heute noch, in der Adventzeit auf den Ennstaler Bauernhöfen gebacken wurde. Früher wurden bereits im Sommer die Früchte wie z.B. Äpfel und Birnen getrocknet und in der Kletzentruhe gelagert. „Die mit Kletzen gefüllte Truhe, so werden die getrockneten Birnen genannt, durfte nur in der Advent- bzw. Weihnachtszeit geöffnet werden“, erzählt sie. Damals war das Weihnachtsbrot, wie es auch genannt wird,  was wirklich Besonderes, das man nur einmal im Jahr bekommen hat, erinnert sie sich.

Heutzutage wird das Brot auf zahlreichen Adventmärkten zum Verkauf angeboten und hauptsächlich als Butterbrot serviert.

Kletzenbrot anschneiden

Das Kletzenbrot hatte vor allem am Heiligen Abend eine besondere Bedeutung, erzählt mir meine Oma weiter. Am Nachmittag wurde noch vor der Stallarbeit das Kletzenbrot angeschnitten, dies wurde traditionell mit Butter, Speck und Knoblauch serviert, dazu gab´s ein Stamperl Schnaps und die Gesundheit für das nächste Jahr war wieder garantiert. Ich musste lachen, da es auch in meiner Familie noch der Brauch ist, diese außergewöhnliche kulinarische Kombination am Heiligen Abend zu essen.

Sie erzählt mir weiter, dass nach dieser Jause jeder Dienstbote, die Hausleute sowie alle, die das Jahr am Bauernhof mitgearbeitet haben, einen eigenen Kletzenbrotlaib mit aufgebackenen Namen bekamen.

Dieser Laib wurde gut aufgehoben, weil am Stephanitag es der Brauch war, dass junge Burschen den Mädchen auf den Ennstaler Bauernhöfen einen Besuch abstatteten. Sie versuchten den Brotlaib der Mädchen anzuschneiden, schafften sie dies, mussten sie jedoch dafür Geld im Broteinschnitt hinterlassen.

Meine Oma lacht und erzählt weiter, dass das Warten auf die Burschen immer wieder ein spannendes Erlebnis war. Man wusste nicht, ob der Bursch kommt den man sich erhoffte, oder ob es doch ein Anderer war, der vielleicht aber mehr Geld hatte.

Von der Geschichte inspiriert war mir meine Oma auch gleich bei der Zubereitung des Kletzenbrotes behilflich.  -Das Rezept von ihr musste ich mir auch sofort aufschreiben, dabei fiel mir auf, dass es sich bei dem traditionellen Weihnachtsbrot auch um eine vegane Köstlichkeit handelt.

Das Rezept will ich euch natürlich nicht vorenthalten:

Zutaten für 4 Personen:

  • 1 kg Weizenmehl
  • 2 Packerl Germ
  • 1 Prise Salz
  • 1 Prise Brotgewürz
  • 0,6 Liter Wasser
  • etwas Honig (wenn gewünscht)
  • 200 g Haselnüsse (je nach Geschmack auch mehr)
  • 200 g Dörrpflaumen (je nach Geschmack auch mehr)
  • 260 g Rosinen (je nach Geschmack auch mehr)
  • 1 Prise Anis
  • ½ Packerl Lebkuchengewürz
  • 6 cl Rum
  • 1 Prise Vanillezucker

Zubereitung:

  • Germ in ein wenig lauwarmen Wasser geben und mit etwas Honig und Mehl versprudeln, Mehl darauf streuen und zur doppelten Höhe aufgehen lassen (Dampfl)
  • In der Schüssel Mehl, Salz, Brotgewürz mischen und Dampfl eingießen. Zutaten verrühren. Lauwarmes Wasser nach Bedarf zugießen.
  • Teig gut durchkneten und in der Schüssel abgedeckt gehen lassen, bis sich das Volumen verdoppelt
  • Währenddessen Haselnüsse, Dörrpflaumen, Rosinen, Anis, Lebkuchengewürz und Rum zu einer saftigen Masse vermischen und ziehen lassen.
  • Die beiden Massen vermengen, Vanillezucker zugeben und auf der bemehlten Arbeitsfläche ein Brotlaib formen.
  • Masse gehen lassen, bis sich das Volumen beinahe verdoppelt
  • Backrohr auf 180 °C-200 °C vorheizen
  • Brot ca. 1 Stunde bei 180 °C backen, bei zu viel Bräune auf 170°C reduzieren