Pferdeschlitten: Durch den Schnee mit zwei PS

Hans Pitzer ist Pferdeschlittenfahrer in Ramsau am Dachstein. Ein Beruf, der in der 700-Pferde-Gemeinde schon eine lange Tradition hat.

Hans Pitzer vom Ederhof hat seit fast zwanzig Jahren die Zügel in der Hand. Foto: Markus Röck

Mit Bedacht führt Hans die beiden Pferde an den Schlitten heran. Für die zwölfjährige Estelle und die sechzehnjährige Palmira ist das schon reinste Routine. Auch die Anspannung an das Gefährt sind sie bereits seit jungen Jahren gewohnt. Fünf Minuten dauert es, bis das Geschirr angelegt ist. Dann kann es losgehen. Am Kutschbock gibt Hans seinen Rössern das Zeichen und schon reiten sie los. Nur wenige Minuten dauert es, bis die beiden Pferde mitsamt Kutscher am eigens präparierten Pferdeschlittenweg angekommen sind. Jetzt nehmen sie erst richtig Fahrt auf. Eine gemütliche Runde durch die tiefverschneite Ramsau steht bevor.

Haflingerzucht mit Tradition

Hans Pitzer zieht jeden Winter seine Runden am Hochplateau der Gemeinde Ramsau am Dachstein. Er ist Pferdeschlittenfahrer am Ederhof, mitten in der Ramsau, die mit knapp 700 Pferden die pferdestärkste Gemeinde der Steiermark ist. Der Ederhof, den Hans gemeinsam mit seiner Frau Christine führt, steht schon seit langem ganz im Zeichen der Huftiere. „Wir betreiben eine Haflingerzucht mit vierzehn Pferden“, sagt Hans. Daneben bietet er zwei Mal am Tag Pferdeschlittenfahrten durch die Ramsau an. Zwei Runden gibt es, aus denen Gäste wählen können. „Eine Runde führt zur Einkehr in die 400 Jahre alte Halseralm, die zweite geht über den eigens präparierten Pferdeschlittenweg rund um den Kulmberg.“ Hans‘ Ederhof liegt genau auf halber Strecke der Kulmbergrunde, direkt am Weg. Seine „Ederstube“ wird daher oftmals zum Treffpunkt von Gästen und Pferdeschlittenfahrern, die nach der Fahrt durch den Schnee nach einer Aufwärmung suchen.

Gemeinsam mit seiner Frau Christine führt Hans den Ederhof. Die „Ederstube“ ist beliebter Treffpunkt für Gäste und Pferdeschlittenfahrer. Foto: Markus Röck

Vom Großvater zum Sohn

Die Pferdeschlittenfahrt hat ihren Ursprung im Alltag. „Früher gab es noch keine Schneeräumung. Im Winter war der Pferdeschlitten das beste Fortbewegungsmittel, um etwa in die Kirche oder zum Einkaufen zu kommen“, sagt Hans. Irgendwann hätten alte Bauern nach einem Nebeneinkommen gesucht und schließlich begonnen, ihre Hausgäste mit Pferdeschlitten durch die Ramsau zu kutschieren. Das war in der Zeit von Hans‘ Großvater. „Er war einer der ersten, die Pferdeschlittenfahrten für Gäste angeboten haben.“ Nach einiger Zeit hat Hans‘ Vater die Schlittenfahrt weiter betrieben, bis es vor knapp zwanzig Jahren für Hans an der Zeit war, die Zügel zu übernehmen. Auch sein Nachfolger steht bereits fest. „Mein 21-jähriger Sohn hat gerade den Fahrkurs gemacht, bei dem junge Kutscher die richtige Anspannung lernen.“ Ans Aufhören denkt er noch nicht – in Zukunft will der Ramsauer gemeinsam mit seinem Sohn zwei Gespanne führen. „Die Nachfrage ist derzeit so hoch, eigentlich würden wir fünf Gespanne benötigen.“

Einer der Pioniere der frühen Pferdeschlittenfahrten – Karl Brandstätter (rechts im Bild). Foto: Reiterhof Brandstätter

Die richtige Anspannung macht’s aus

Insgesamt gibt es heute zwanzig Pferdeschlittengespanne in der Ramsau. Die Schlitten sind inzwischen auch mit Rädern ausgerüstet, die sich bei Bedarf ausfahren lassen. „Ab und zu gibt es zu wenig Schnee. Dann müssen wir auf der Straße fahren, da der Weg über Moos und Wiesen verläuft.“ Während für die Schlittenfahrer der Pferdeschlittenkurs nicht verpflichtend ist, beginnt für junge Pferde schon sehr früh die Einschulung zum Schlittenfahren. „Mit einem Alter von drei Jahren wird das Pferd von uns angeritten, dann gewöhnen wir es langsam an den Schlitten“, sagt Hans. In dieser Zeit zieht nur das Jungpferd den Schlitten. „Würden wir das Jungtier zu einem erfahreneren Pferd dazu hängen, könnte es sein, dass das ältere Tier alleine die ganze Arbeit macht.“ Die richtige Anspannung ist hier sehr wichtig. „Das Pferd muss sich wohlfühlen, ihm darf nichts wehtun“, sagt Hans. Zwei Wochen dauert es in der Regel, dann sind die Pferde bereit, gemeinsam mit einem zweiten Pferd den Schlitten zu ziehen.

Das Pferd muss richtig an den Schlitten angewöhnt werden, damit es sich auch wohlfühlt. Foto: Markus Röck

Für Hans ist es immer wieder ein Erlebnis, mit dem Pferdeschlitten durch die Ramsau zu fahren. „Ich bin viel herumgekommen und war sogar einige Zeit in Amerika. Aber so ein Panorama, ein Hochplateau mit einem eigenen Pferdeschlitten gibt es sonst nirgendwo.“ An diesem Tag muss er noch einige Gäste durch die Ramsau fahren. „Manche Gäste kommen seit 40 Jahren nur zum Pferdeschlittenfahren hierher“, sagt Hans. Daneben gibt es aber auch viele Einheimische, die gerne am Schlitten Platz nehmen. Noch bis zur Schneeschmelze ist dies der Fall. „Andere Schlittenfahrer bieten auch im Sommer Kutschenfahrten an. Meine Pferde sind in dieser Zeit auf der Alm“, sagt der Pferdeschlittenfahrer. Eine Ruhepause, die bis in den Herbst hinein dauert. Mit dem ersten Schneefall geht es aber auch in diesem Herbst wieder los. Hans Pitzers Pferdeschlitten steht dann schon bereit.

Alle Informationen zum Pferdeschlittenfahren in Ramsau am Dachstein.